Facharbeit und „Die Physiker“ – Was hat das miteinander zu tun?

Wie ihr wahrscheinlich gemerkt habt, liegt mein letzter Beitrag schon einige Zeit zurück.
Woran das liegt? Ich hatte eine Facharbeit zu schreiben, heißt: 14-16 Seiten über sowohl die ökologischen als auch die ökonomischen Auswirkungen des Tourismus auf den Galápagos-Inseln.
Anfangs plagten mich einige Zweifel, da ich nicht sicher war, ob ich genug Literatur zu diesem Thema finden würde. Doch da war ich nicht die Einzige in meinem Jahrgang: Einige diskutierten recht ausgiebig über verschiedene Möglichkeiten, ihren Text zu verlängern, ohne zusätzliche Zeilen zu schreiben. Times oder Arial, welche Schrift ist größer? Wie viele Absätze können eingebaut werden, ohne, dass es auffällt? Und wie groß ist der maximale Seitenabstand?

Ich hielt mich nicht länger mit diesen scheinbar grundlegenden Fragen auf, stattdessen begann ich zu recherchieren und anschlißened zu schreiben. Jedoch muss gesagt werden, dass sich letzteres größtenteils auf die letzten anderthalb Wochen konzentrierte.
Im Nachhinein ist man immer schlauer; die Zeit wurde knapp, mein Text zu lang. 
Es kam, wie es kommen musste; am letzten Tag – meine Arbeit war soweit fertig verfasst – merkte ich, dass sie auf ganze 20 Seiten gewachsen war. Ich musste kürzen; radikal und unerbittlich. Eine sehr schmerzliche Erfahrung, da ich am Ende feststellen musste, dass ich nun sogar noch eine dreiviertel Seite übrig hatte, aber das Gelöscht wiederherzustellen war zu umständlich, außerdem reichte die Zeit nicht. 
Noch vor Mitternacht – was im Gegensatz zu manch einem Jahrgangskollegen sehr früh erscheinen mag – war alles fertig formatiert (Word kann einem echt zu schaffen machen) und gedruckt.

Am Abgabetag brachte ich meine Arbeit zum Binden – und dabei war ich nicht allein: Selbst als ich meine Arbeit abgeholt hatte, kamen mir auf meinem Weg zur Schule noch andere Chaoten entgegen. 
Alles in allem war ich an dem Tag der Abgabe, an dem der ganze Stress der vorherigen sechs Wochen (obwohl, eigentlich waren es eher die letzten beiden Wochen, die mir zu schaffen machten) endlich vorbei sein sollte, ziemlich durch den Wind – das Schlafdefizit machte sich bemerkbar. Doch die endgültige Übergabe der Seminararbeit rüttelte die (im Tiefschlaf versunkenen) Lebensgeister in mir wieder wach. Endlich beginnt das Leben wieder!

Vermutlich war es Glück, dass in letzter Minute alles wie am Schnürchen lief und nicht, wie ich wenig zuvor in Deutsch gelernt hatte, die schlimmstmögliche Wendung eintrat.
Unser Thema war die Komödie „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt (sehr zu empfehlen!). Am Ende des Buches findet man die „21 Punkte zu den Physikern“. Im folgenden ein kleiner Auszug daraus mit dem Bezug zu meiner Facharbeit:

„Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmst mögliche Wendung genommen hat.“ -> schlimmstmögliche Wendung = nicht fristgerechte Abgabe der Facharbeit und infolgedessen eine Bewertung mit 0 Punkten

„Die schlimmst mögliche Wendung ist nicht voraussehbar. Sie tritt durch Zufall ein.“  
->Computerabsturz (z.B.) lässt sich nicht voraussehen, er tritt durch Zufall ein

„Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen.“ ->je mehr man plant, desto mehr kann der tatsächliche Ablauf davon abweichen, es ist also manchmal von Vorteil, wenn man Dinge spontan entscheidet, anstatt sein gesamtes Leben durchzuplanen 

„Planmäßig vorgehende Menschen wollen ein bestimmtes Ziel erreichen. Der Zufall trifft sie immer dann am schlimmsten, wenn sie durch ihn das Gegenteil ihres Ziels erreichen: Das, was sie befürchteten, was sie zu vermeiden suchten.“ -> Natürlich wollte JedeR aus meinem Jahrgang die Seminararbeit fristgerecht abgeben. Viele planten den Arbeitsablauf deswegen im Voraus so, dass sie möglichst früh fertig werden sollten. Der Zufall trifft sie somit am schlimmsten, wenn sie – trotz (oder gerade aufgrund?) ihrer guten Planung – das Ergebnis nicht rechtzeitig abliefern können.

Trotz aller Freude, einen einzigen Nachteil hat die Abgabe im Nachhinein doch: die Lehrer – vorher gemahnt, auf unsere Situation Rücksicht zu nehmen (Vielen Dank! [: ) – holen jetzt scheinbar alles auf, was wir durch die wenigen Hausaufgaben „verpasst“ haben.

Zuletzt noch ein gut gemeinter Rat für alle Zukünftigen Facharbeit-Schreiber (auch wenn sich daran sowieso niemand halten wird): fangt früh genug an, soll heißen gleich am ersten Wochenende. Wenn eure Arbeit dadurch früher fertig ist, genießt die freie Zeit hinterher anstatt sich vorer hängen zu lassen und am Ende unter Zeitdruck ein Ergebnis abzuliefern, welches euer Potenzial nicht ausschöpft!

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Über Anni

Anni, 21 Jahre jung. Deutsch-Chilenin auf der Reise durch die große weite Welt, von einer Küche zur nächsten. Ständig auf der Suche nach neuen kreativen Rezepten und den dazugehörigen (Test-)Essern.
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